Information

Im Frühjahr 2016 konnte die Datenaufnahme vor Ort – es wurde die Gesamtfläche von 840 km² begangen – abgeschlossen werden, nun beginnt die Phase der Auswertung. Im gesamten Untersuchungsgebiet haben wir Zeugnisse menschlicher Aktivität gefunden, welche für eine intensive Nutzung sowohl im Mittleren Paläolithikum (200.000-40.000), im Neolithikum (7.000-3.000) als auch in den historischen Zeiten zwischen dem 2. Jt. v. Chr. und dem 1. Jt. n. Chr. sprechen. Beeindruckende Felszeichnungen, eine Vielzahl von Friedhöfen unterschiedlicher Größe, antike Wohnstätten und Rastplätze konnten bei den Fußmärschen dokumentiert werden. Unterstützt wird die Aufnahme durch eine Software (WebGIS), die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geoinformatik der WWU Münster entstand und passgenau auf die Erfordernisse des W.A.D.I.-Projektes zugeschnitten sind.

Lesen Sie dazu den Grabungsbericht der Zeitschriftenreihe
DER ANTIKE SUDAN. 
bericht-2016

Die Bayuda und ihre Erforschung

Die Region im großen Bogen des Nils, in etwa zwischen den Städten Omdurman und Korti, wird Bayuda genannt. Dieses wüstenhafte Gebiet ist vor allem durch Geröll- und Felsareale sowie ausgedehnte Sandflächen gekennzeichnet. In der Mitte der Bayuda befindet sich eine beeindruckende Vulkanregion – von hier und einigen anderen Gebirgszügen entspringen Wadis, die das jährliche Regenwasser in den Nil transportieren. Die bedeutendsten dieser Talrinnen sind das Wadi Muqqadam und das Wadi Abu Dom. Der Fokus unseres Projektes liegt auf dem Wadi Abu Dom, das etwas südlich der Vulkanregion dendritischen Ursprungs ist und dann in etwa von Südost nach Nordwest zum Nil verläuft.

Karte03

Das große Gebiet der Bayuda ist bislang kaum archäologisch untersucht worden; erst eine 1952 von O.G.S. Crawford durchgeführte Erkundungstour etwa zwischen Damer und Abu Hamed lieferte erste Hinweise zu Altertümerstätten. Den Abschluss dieser Tour bildete ein viertägiger Abstecher von Damer in die innere Bayuda. 1954 durchquerten H.N. Chittick und P.L. Shinnie die Bayuda von Merowe aus Richtung Shendi. Die Strukturen von Umm Ruweim, Umm Quweib und Umm Khafur im Wadi Abu Dom wurden in ihrem Bericht skizzenhaft in ihren Grund­rissen aufgenommen. Nach dieser Erkundungstour wurde das Kloster von Ghazali, im untersten Abschnitt des Wadi Abu Dom gelegen, von P.L. Shinnie ausgegraben und publiziert.

ABC

Aus archäologischem Blickwinkel geriet die Bayuda seit der Ausgrabung Shinnies bis in die späten 1990er nahezu in Vergessenheit. Zwar kam es im Jahre 1989 in Umm Ruweim durch den sudanesischen Antikendienst (NCAM) zu einer Probegrabung an einem Grab, das leider ohne Funde war, doch erst 1997 fand unter der Leitung von T. Kendall in der südlichen Bayuda im Wadi Muqqadam ein Survey statt.

Seit 2009 wird von H. Paner (Archäologisches Museum Danzig) ein großflächiger Auto-Survey in der gesamten Bayuda durchgeführt, der das Ziel hat, größere Sites zu kartieren. Ebenfalls seit 2009 dokumentiert das Projekt „Wadi Abu Dom Itinerary“ durch sehr feinmaschige Begehungen menschliche Hinterlassenschaften im Wadi Abu Dom.