Bodenerkundung

Zwischen 2009 und 2016 konnte eine Fläche von ca. 840 km2 zu Fuß begangen werden. Dabei wurden sämtliche vorislamische anthropogene Hinterlassenschaften kartiert.

survey03

Das Bild, das sich bisher ergibt, zeigt, dass das Wadi Abu Dom seit dem Paläolithikum bis heute von Menschen genutzt wurde. Die Spuren davon sind jedoch nur sporadisch und schwach ausgebildet. Wir haben den Nachweis von paläolithischen und neolithischen Aktivitätszentren. Vor allem im westlichen Teil des unteren Wadi Abu Dom sind Tumuli der Kerma-Periode auf Feldgraten errichtet, im östlichen Bereich jedoch nur wenig präsent. Eine gesicherte napatanische oder meroitische Präsenz können wir bisher nicht nachweisen, wenn auch vereinzelte cleft burials voraussichtlich in die napatanische Zeit datiert werden können. Die sogenannte postmeroitische Periode zeigt eine massive Präsenz – viel mehr als alle anderen Perioden, außer vielleicht des christlichen Mittelalters. Mehrere Friedhöfe mit Tumuli bis zu 18 m im Durchmesser sind am Wadirand gelegen. Auch christliche Friedhöfe mit box-graves sind häufig, vor allem in der Umgebung von Ghazali. Jedoch gibt es auch einige kleinere Friedhöfe im östlichen Teil des unteren Wadi Abu Dom, ebenso einzelne Gräber im Hinterland.

survey04

Insgesamt wurden im Verlauf des W.A.D.I.-Projektes 1838 Gräber dokumentiert. Es ist aber erstaunlich, dass keine größeren Siedlungsstrukturen erhalten sind. Diejenigen Fundstellen, die Siedlungscharakter haben, sind kleine Hütten mit einfachem Layout.

Die Erforschung der historischen Verkehrsinfrastruktur ergab vor allem Hinweise auf kleinräumige Bewegungsprofile. Im Gelände sind viele Pfade feststellbar, durch die Beifunde an den Pfaden wurde klar, dass das Gelände auch in vormoderner Zeit von einer Vielzahl von Wegen durchzogen war, die Kurven des Hauptwadiverlaufs abkürzten, jedoch zum Teil auch vom Wadi ins Hinterland führten. Diese kleinräumige Verkehrsinfrastruktur bildet offenbar vor allem pastorale Wirtschaftsweise ab. In diesen Zusammenhang gehören wohl auch mehrere Campsites, die wir dokumentieren konnten. Eindeutige Spuren von Langstrecken-Kommunikationsachsen fanden sich – im Gegensatz zu den Kurzstrecken-Routen – bislang jedoch nicht.